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Martin Hertlein - Auerochsen im Josefstal

Auerochsen im Josefstal

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Auerochsen im Josefstal

Unterhalb des Comboni-Missionshauses Josefstal bei Ellwangen schlängelt sich der renaturierte Sixenbach eineinhalb Kilometer durch die Tal-Aue. Seit Dezember 2008 weidet hier eine Herde Auerochsen.

Den Anfang machten drei Damen aus Thierhaupten bei Augsburg:
Leitkuh Elisa (2005–2012) sowie die Kühe Ester (geb. 8.4.2008) und Eva (2007–2013).
Stier Amir kam im September 2009 zur Herde (geb. 1.4.2007 auf der Insel Wörth im Staffelsee).

Alle weiteren Tiere wurden bereits im Josefstal geboren:
Stier August (geb. 14.4.2009, Mutter: Elisa)
Emmi (geb. 18.5.2010, Mutter: Elisa)
die Zwillinge Else und Elvira (geb. 6.6.2010, Mutter: Ester)
Elke (geb. 9.4.2011, Mutter: Elisa)
Erika (geb. 17.10.2012, Mutter: Ester)
Albrecht (geb. 27.2.2013, Mutter: Eva)
Emilie (geb. 4.7.2013, Mutter: Else)

Alfons (geb. 16.12.2014, Mutter: Ester)
Amos (geb. 7.3.2015, Mutter: Erika)
Adonis (geb. 9.7.2015, Mutter: Else)
Estrella (geb. 1.1.2016, Mutter: Ester)
Eike (geb. 15.8.2016, Mutter: Else)

Im Frühjahr 2017 leben die 9 grün markierten Auerochsen auf der 7,5 Hektar großen Weide am Sixenbach. 13 gesunde Kälber sind bislang herangewachsen.

Damit die beiden Stiere Amir und August nicht um den ersten Platz in der Hierarchie kämpfen, wurde August zum Hirschhof nach Aalen umgesiedelt. Die Kühe Elke und Emmi verstärken seit Juli 2013 die Bopfinger Auerochsenherde. Mit jedem Tier, das kommt oder geht, verändert sich das Gefüge der Herde.

Weil die Herde eine bestimmte Größe nicht überschreiten soll und erwachsene männliche Tiere miteinander rivalisieren, schlachten wir auch ab und zu einen Auerochsen. Falls Sie an Auerochsenfleisch interessiert sind, informieren wir Sie gern per E-Mail über aktuelle Termine. Schreiben Sie uns einfach eine Mail über unser Kontaktformular.

Von 2011 bis 2016 teilten die Auerochsen ihre Weide mit Konik-Wildpferden, die auch ganzjährig draußen leben. Die Weidegemeinschaft hat sehr gut funktioniert. Allerdings stellte sich heraus, dass die Tal-Aue des Sixenbachs auf Dauer zu nährstoffreich ist für die Koniks, die mehr mageres Futter brauchen. Stute Gwen und Hengst Pegasus leben jetzt auf Islandpferdegestüten in Wolpertshausen-Hopfach und Crailsheim, wo sie liebevolle Bezugspersonen gefunden haben. Gwen wird sogar zum Reitpferd ausgebildet.

Das Gelände am Sixenbach gehört den Comboni-Missionaren und wird in Erbpacht von Schreinermeister Martin Hertlein bewirtschaftet, der mit diesem Ort schon seit seiner Ausbildung 1978 in den Comboni-Werkstätten verbunden ist.

Ur-Geschichte

Der Auerochse oder Ur (Bos primigenius) ist der Stammvater unserer Hausrinder. In Mitteleuropa gab es Auerochsen bereits vor 250 000 Jahren. Sie waren fast in ganz Europa, Asien und Nordafrika verbreitet. Gemeinsam mit Mammut, Wollnashorn und Riesenhirschen weideten sie in Flussauen und halboffenen Waldlandschaften. Bei den Steinzeitvölkern, Kelten und Germanen galten sie als begehrte Jagdtrophäe.

Man erkennt den Auerochsen an den gebogenen Hörnern mit der dunklen Spitze, am weißen Maul und dem Aalstrich, einer schmalen, hellen Rückenlinie. Eine ausgewachsene Kuh wiegt rund 500 kg, ein Stier bringt 800-900 kg auf die Waage. Die robusten Tiere leben das ganze Jahr draußen, nur bei geschlossener Schneedecke wird Heu zugefüttert.

Weil der Mensch durch seine Siedlungen und Kulturlandschaft den Lebensraum des Auerochsen immer mehr einschränkte und ihn auch jagte, starb der ursprüngliche Auerochse vor über 300 Jahren aus. Am längsten hielt er sich in Osteuropa, wo die letzte Ur-Kuh 1627 in Polen von Wilderern getötet wurde. Die Auerochsen, die man heute in Landschafts- und Naturschutzgebieten weiden sieht, sind Rückzüchtungen.

Rückzüchtung

Sein Erbmaterial hat der ausgestorbene Ur in unseren Hausrindern hinterlassen. Davon waren die Gebrüder Lutz und Heinz Heck überzeugt. Als Direktoren des Zoologischen Gartens Berlin und des Tierparks Hellabrunn München begannen sie in den 1920er-Jahren, durch Kreuzung verschiedener „ursprünglicher“ und naturnah gehaltener Rinderrassen die Merkmale des Auerochsen wieder zu vereinigen.

Sie glaubten, Gene ließen sich wie Puzzleteile wieder zusammenfügen, um eine ausgestorbene Rasse wiederherzustellen. So wollten sie ein Wildrind züchten, das dem Auerochsen in Aussehen und Verhalten möglichst ähnlich sein sollte. Daraus ist der heutige Auerochse entstanden, den man nach seinen Züchtern auch „Heckrind“ nennt.

Heute weiß man, dass die einseitige Zucht von Hochleistungsrassen genetisch in eine Sackgasse führt. Auerochsen sind robust, widerstandsfähig gegen Kälte und Krankheiten. Ihre Rückzüchtung war ein spektakulärer Versuch, eine ausgestorbene Art wieder zum Leben zu erwecken. Dennoch bleibt das Heckrind eine Nachschöpfung, denn eine ausgerottete Art kann durch Zucht niemals wieder identisch zurückgewonnen werden. Manche Rinderrassen, deren Merkmale zur Wiedererstehung des Auerochsen genutzt wurden, stehen heute selbst auf der Roten Liste der bedrohten Arten.

Man geht davon aus, dass die Rückzuchten wieder eine ähnliche Funktion im Naturhaushalt übernehmen wie ihre Vorfahren und dass sie ein wichtiges Mittel sind, um Ökosysteme wiederherzustellen, die der Mensch zerstört hat.

Landschaftspflege

Mittlerweile gibt es europaweit über 3 000 rückgezüchtete Auerochsen. Im Zuge landwirtschaftlicher Extensivierungsmaßnahmen entdecken immer mehr Landwirte ihre Vorzüge, denn das Heckrind braucht weder Stall noch Kraftfutter, macht wenig Arbeit und verhindert die Verbuschung und Verwaldung von Feuchtwiesen oder schwierig zu bewirtschaftendem Grenzertrags- und Brachland.

Seit Mitte der 1980er-Jahre haben mehr als drei Viertel der baden-württembergischen Milchbauern ihren Betrieb aufgegeben, der Milchkuhbestand hat sich fast halbiert. Für die wenigen verbliebenen Landwirte lohnt es sich nicht mehr, unwegsame oder magere Wiesen zu bewirtschaften. Lässt man die Grünflächen jedoch brachliegen, verbuscht und verwaldet unsere Landschaft. Widerstandsfähige Grasfresser wie die Auerochsen lösen dieses Problem auf natürlichste Weise.

Ihren Lebensraum gestalten die Auerochsen sehr strukturreich. Die Weiden reagieren mit einer üppigen Fauna und Flora. Der Dung der Tiere zieht viele Insekten an, die wiederum Nahrung für Vögel, Frösche und Fledermäuse sind. Viele bedrohte Tierarten sind auf die Freihaltung offener Landschaftsbereiche angewiesen. Nebenbei sorgen die großen Auerochsen also dafür, dass seltene Pflanzen, Insekten und andere Tiere wieder einen Lebensraum finden.

   

 

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